Wie ihr ja vielleicht schon wisst, wird die Benutzung der Google Maps API ab Anfang des Jahres 2012 für einige wenige Websites kostenpflichtig. Die entscheidende Meldung kam am 26. Oktober 2011 und hat mich im ersten Moment in Schockstarre versetzt ;-)
Google hatte das schon seit längerer Zeit angekündigt und macht nun ernst. Laut der Aussage von Google betrifft das ja “nur” 0,35% aller Kartenwebsites weltweit. Leider ist GPSies.com aufgrund der Bekanntheit und der dadurch sehr hohen Aufrufe bei den 0,35% Top-Karten-Websites dabei. Leider… oder toll?
Was kostet eigentlich Google Maps?
25.000 Aufrufe der Google Maps API sind pro Tag kostenlos (siehe Google Maps Preisliste). Für GPSies würde das bedeuten, dass nun bei angenommenen 125.000 Seitenaufrufen (Jahresmittel) mit Karten pro Tag etwa für 100.000 Aufrufe bezahlt werden müssen. 1.000 Aufrufe mit der aktuellen Google Maps API Version 2.x kosten 10 US Dollar. Somit würde GPSies.com am Tag 1.000 US Dollar bezahlen müssten. Ok, wenn ich auf die API Version 3 wechseln würde (4 US Dollar pro 1.000 Aufrufe), dann wäre der Preis immer noch bei etwa bei 400 US Dollar pro Tag. Es gibt für solche Fälle ein anderes Berechnungsmodell von Google, sozusagen eine jährliche Pauschale, die günstiger wäre, aber auch das kommt nicht in Frage.
Ich habe natürlich versucht, GPSies durch eine Ausnahmegenehmigung von Google von der Berechnung zu befreien. Weil doch die GPSies Kuh so süß ist. Muh. Dazu hatte ich meine alten Google Kontakte aufgewärmt und bin durch einen sehr netten Kontakt aus der Schweiz an einen ebenfalls netten Googler aus München gekommen. Es hätte vielleicht eine kleine Chance bestanden, wenn ich die Werbung von GPSies.com entfernt hätte. Aber – das kann ich leider nicht so einfach machen, denn ich muss ja die Kosten der mittlerweile sieben Server irgendwie finanzieren. Meine Frau wäre wohl ziemlich sauer, wenn ich für mein Hobby neben der vielen Zeit auch noch monatlich etwa 1.000 EUR an Kosten “verbrennen” würde ;-) Dann könnte ich gleich abschalten.
Wie geht es weiter?
Ja, ratet mal. Bingo, die Lösung heißt: OpenStreetMap. Seit dem 1. Dezember laufen im GPSies-Netz drei neue Server, die gerade eingerichtet werden. Sie sollen Karten aus dem OpenStreetMap Projekt erzeugen. Als ersten Wurf werden aber nur Karten des Standard Mapnik OSM Styles ausgegeben. Neue, tolle und spezielle Basiskarten extra für den Outdoor Bereich sind geplant, aber das braucht noch ein wenig Zeit (in Zusammenarbeit mit einer Hochschule). Stay tuned!
Wodurch wird die Google Maps API ersetzt?
Durch Leaflet von CloudMade! Das ist ein totales Risiko, denn die Version ist noch Beta 0.3 – aber – die API hat es in sich. Sehr einfach zu entwickeln, CSS3 fähig und schon voll auf die mobilen Browser abgerichtet. Ich konnte nicht anders – sorry OpenLayers, das war für mich viel einfacher. Manchmal muss man etwas wagen…
Es geht ja nicht nur um die Kartenbilder und nicht nur um die Javascript API, die die Bilder anzeigt. Es geht auch um weitere Dienste, die verborgen unter der Haube laufen. Ich habe vor etwa 14 Tagen GPSies schon komplett von diesen Google Hintergrund APIs gelöst. Selbst die Ortssuche im Browser läuft nicht mehr über die Google APIs (sondern jetzt über die Yahoo API). Da ich von euch keine Beschwerdemails bekommen habe, denke ich, dass das eigentlich ganz gut läuft.
Leaflet API

Startseite mit Leaflet API umgesetzt, Karte kommt von CloudMade
Ich bin schon sehr weit. Bisher sind alle Bereiche und alle Karten schon auf das neue Framework umgebaut. Zur Zeit bin ich beim Feinschliff. Ihr seht das aber noch nicht, weil ich das noch nicht aktiviert habe. Ich will das erst am Tag X, also Anfang 2012 umschalten. Natürlich brauche ich wieder ein paar Betatester, die sich den neuen Kram mal anschauen. In ein paar Wochen wird es dazu in eurem Benutzerprofil ein Häkchen geben, damit ihr auf die neuen Karten umschalten könnt. Ich werde das über die GPSies Facebook Fanpage bekanntgeben.
Apropos Leaflet, der Umbau bei der mobilen Version von GPSies, also m.gpsies.com, hat schon stattgefunden. Das war so eine Art Testballon, um die Google API komplett aus GPSies mobile zu entfernen. Funktioniert super!
Wo ist der Pferdefuß?
Es gibt keine oder nur noch ganz schlechte Satellitenkarten! Uuuaaahhhh! Das ist schlimm. Echt schlimm. Ganz schlimm. Es gibt zwar seitens MapQuest jetzt freie Satellitenkarten, aber die sind bei weitem nicht so gut, wie die von Google. MapQuest (gehört zu AOL) ist übrigens auch sehr interessant, denn die haben seit dem 17. November, also ein paar Tage nach der Ankündigung von Google, ihre Kartenlimits aufgehoben. Ein feiner Zug, danke sehr!
GPSies nun ganz ohne Google?
Nee, natürlich nicht. Ich mag Google Maps nach wie vor. Da gibt es nichts, darüber möchte ich auch kein böses Wort fallen lassen, immerhin habe ich dem Laden unheimlich viel zu verdanken. Ohne Google Maps wären wir noch nicht soweit. Das Google Earth PlugIn wird es auch in der neuen Version geben, denn das benötigt keinen API Key (Mist, wie stelle ich das nur an??).
Nicht nur aufgrund des Aufwandes, nun auch den Streckeneditor von GPSies auf Leaflet um zubauen, wird dieser erst mal so bleiben wie er ist. Ich werde versuchen, auch zu sommerlichen Spitzenzeiten den Editor mit nicht mehr als 25.000 Aufrufen pro Tag zu überlasten (um im Limit zu bleiben). Es kann sein, dass ich dafür den Login umbauen muss, d.h., dass man nur noch im angemeldeten Zustand Strecken editieren und erstellen kann.
Was ändert sich für die Benutzer?
Nix. Naja, die Bedienung wird ein wenig anders sein. Die iFrame Widgets werden wie gehabt angezeigt, nur dass sie eventuell nicht mehr auf alle Kartentypen reagieren. Für euch ändert sich nicht viel, macht weiter so!