Berlin-Dresden: die Strecke lässt sich recht schnell herunterfahren.
Am 24./25.4.2010 fand das MobileCamp in der Fakultät für Informatik der TU Dresden statt. Aber es geht auch anders: Bei blendendem Wetter habe ich mir eine Tour neben der Autobahn ausgearbeitet und diese mit 13 Geocaches bestückt.
Für die Ausfahrt aus Berlin entschied ich mich für den Weg an der Spree entlang über Köpenick und Königswusterhausen. Den verheißungsvollen Einstieg bildete Valkyrie, ein verlassener Militärflugplatz, auf dem der Film über das Attentat auf Hitler durch Claus von Stauffenberg gedreht wurde. Heureka lud zu einer ersten Rast ein, allerdings musste vor der Suche noch ein Angler abgewartet werden, bevor mir das schön gemachte Versteck ein kleines Lächeln abgewinnen konnte.

Schlepzig ist ein idyllisches Spreewald-Dorf mit einem ebenso idyllischen Dorf-Cache. Die Suche nach dem Cache an der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben wurde durch das Markttreiben nebenan allerdings kaum beeinträchtigt. Es gilt wie so oft, den Aufmerksamkeitsrhythmus der umgebenden Menschen zu erfassen und im richtigen unbeobachteten Moment beherzt zuzugreifen. Bis zur Mittagspause in Senftenberg konnte ich noch 3 weitere Caches loggen:
- ein Barockpark, dessen Schloß gerade renoviert wird,
- der Gedenkstein für ein nicht mehr vorhandenes Dorf, das dem Tagebau in der Lausitz zum Opfer fiel und
- ein Cache, der auf dem 14. Längengrad Ost liegt.
Die zweite Hälfte des Tages begann mit dem Cache, den ich mir bislang am schwersten erarbeitet habe: zwischen Parkplatz und Cache lagen 650 Meter durch den Wald, die in Motorrad-Montur zur sportlichen Betätigung wurden. Dafür entschädigte mich das mit dem Motorrad gut zugängliche Fliegende Boot, eine Aussichtsplattform in Form eines Bootes mit einem Überblick über die Baustelle für einen Schiffs-Kanal-Tunnel unter einer Bundesstrasse und einer anderen Wasserstrasse hindurch. Das möchte ich mir mal anschauen, wenn es fertig ist.

Die alte Brücke bescherte mir eine längere Irrfahrt durch den Wald, weil ich den Cache von der falschen Seite ansteuerte und die Brücke über den Schienenstrang ja nicht mehr vorhanden war. Doch, ich gesteh's, so ganz unglücklich war ich über diese Offroad-Einlage nicht :-). Der 11. und damit vorletzte Cache zählt zu den Highlights meiner bisherigen Geocaches. Ein liebevoll gestalteter Mini-Multi im Wald, der sich von Station zu Station steigerte und mit einem verblüffenden Final aufwartete, ganz sicher ein Bessercache. Und jetzt hab ich ein Problem: gerne würde ich Euch das Foto des Finals zeigen, das wäre noch kein wirklicher Spoiler, da die Stationen ohnehin gemacht werden müssen und die Kiste sich nur zeigt nach Betätigung eines ausgeklügelten Mechanismus. Andererseits gehört das Harren der Dinge, die da kommen mögen, zum Cache-Erlebnis ... was nun?

Da in Dresden meine Übernachtungs-Gastgeber auf mich warteten und der Tag sich bereits seinem Ende zuneigte, beschloß ich, den letzten Multi auszulassen und nur noch den Tradi am Soldatenfriedhof Königsbrück zu machen. Beeindruckt hat mich der serbische Soldat, der in den Sonnenuntergang schaut. Das Gelände wurde früher als Truppenübungsplatz genutzt und im 1. Weltkrieg als Lager für Kriegsgefangene, derer heute hier gedacht wird. Eine wunderbare Tour nach Dresden und bei der Ankunft hatte ich eine Menge zu berichten.
Das MobileCamp selbst war nach der Premiere 2009 wieder gelungen. Am Sonntag entschied ich mich spontan, eine Geocaching-Session einzulegen, liegt ganz in der Nähe doch das Final von Didididahdahdahdididit !!!, ein schöner Einsteiger-Mystery, bei dem die angehenden Cacher gleich mal Android- und iPhone-Geocaching-Apps testen konnten sowie die Qualität der jeweiligen GPS-Empfänger.
Den Rückweg konnte ich am Sonntag um 17 Uhr antreten, eigentlich waren 6 Caches geplant. Da ich jedoch schon eine Morgen-Runde in Dresden zum Erlweinturm mit 3 Funden absolviert hatte und voll mit Erlebnissen, Gesprächen und Begegnungen nicht mehr so aufnahmefähig war, beschränkte ich mich auf 2 Caches. Einer davon verwies auf einen Bach, dessen Wasser irgendetwas Chemisches enthalten muss. Wie könnte man denn herausfinden, woher da was eingeleitet wird? Oder ist das einfach nur stark eisenhaltiges Wasser?

Der Zweite erinnerte an einen Zugtransport jüdischer KZ-Häftlinge, die zu Kriegsende auf eine grauslige Irrfahrt geschickt wurden. Darüber habe ich mal eine Fernseh-Doku gesehen und finde diese Züge symbolisch für den Umgang mit diesem Teil der deutschen Geschichte: Immer wieder tauchen Tatsachen vermeintlich wie aus dem Nichts auf, niemand will davon gewusst haben, aber es riecht nach unangenehmer Auseinandersetzung, also lieber gar nicht erst anfassen. So wie die Züge, die oft tagelang irgendwo herumstanden, das eigentlich zuständige Wachpersonal hatte sich schon lange aus dem Staub gemacht und die eingepferchten Menschen siechten in ihrem beweglichen Kerker vor sich hin.

Mein letzter Cache-Versuch, den ich schnell aufgab, weil es ein Multi und ich zu müde war, bescherte mir noch einen kitschigen Sonnenuntergang am Waldrand und gegen halb Neun konnte ich wohlbehalten wieder in Berlin landen.
Caches
Noch ein wenig Cache-Statistik
- Am 24.4. habe ich mit Wasser und Abwasser 1 meinen 200. Cache gefunden
- Diese Tour machte die Woche vom 19.4.-25.4. mit 23 Funden zur bislang erfolgreichsten Woche
- Stadtblick ist bislang mein südlichster Cache-Fund
- Sachsen ist nun als Bundesland mit Cache-Funden neu dazugekommen